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Schmuck Schloß

Posted on: März 23rd, 2012 by admin No Comments

Tausend und eine Nacht in der Normandie: Der Libanese Walid Akkadlebt in einem Märchenschlossund entwirft Schmuck, der auch Prinzessinnengut stünde.

von Karen Bofinger / Fotos von Tan Kadam

Manchmal hängen Nebelschwaden tief über den Wiesen, und das Schloss von Walid Akkad wird zu einem märchenhaften Schemen. Es liegt zwei Stunden von Paris entfernt, irgendwo in der Basse-Normandie, nicht weit von Caen und dem Ärmelkanal. Die genaue Adresse will Akkad lieber nicht gedruckt wissen, zu wertvoll ist ihm seine Privatsphäre – und Sicherheit: Denn er ist Goldschmied, Schmuckdesigner, umgeben von teuren Preziosen.

Die Gegend ist ruhig, dörflich, die Sträßchen schmal, die Häuser gemauert aus dem typisch nordfranzösischen grauen Stein, der immer rau und ursprünglich wirkt. Die Basse-Normandie ist ein geschichtsträchtiger Landstrich, von hier stammte Wilhelm der Eroberer; an dieser Küste landeten die Alliierten am D-Day 1944. Zwischen wehenden Wiesen und Wäldern führt eine alte Platanenallee auf das Schloss zu, das Hauptportal trägt steinerne Statuen der altrömischen Frucht- und Gartengöttin Pomona und des Vertumnus, Verwandler und Gott des Jahreswechsels. Nichts könnte passender sein, bedenkt man die Liebe Akkads zu seinen Gärten und Blumen. 33 Hektar groß ist der Landschaftspark, der das Schloss umgibt, aus der Luft erkennt man im Wald noch immer die barocke, sternförmige Anlage, in deren Mitte ein verlorener Obelisk steht. Akkads Château wurde im 16. Jahrhundert gebaut, zur Zeit Heinrich III von Frankreich und der französischen Religionskriege; doch wie alle Schlösser wurde es im Lauf der Jahrhunderte immer wieder umgebaut. Heute liegt ein L-förmiges Haupt- neben einem l-förmigen Nebengebäude. Ein eigener kleiner Kanal, ein Wasserfall, eine verwunschene steinerne Grotte und ein Taubenschlag: Plante man eine Filmkulisse, sie könnte nicht perfekter sein.

Seit 15 Jahren lebt Akkad hier mit seinem Freund Jean. Vierzig Zimmer hat das Schloss, sie werden dominiert von einer Einrichtung im französischen Empire- und Landhausstil. Die Bettüberwürfe sind gequiltet und tragen Streublümchenmuster; in der Küche hängen Edelstahl-Töpfe in einer Reihe, unter alten Kupferformen und Gestecken aus Trockenpflanzen. Es sind Details, die verhindern, dass der Landhausstil trutschig und bieder wirkt, wie die klassischen Tolomeo-Lampen von Artemide, ein Papierkorb, der aussieht wie zerknülltes Papier (Bin Bin, entworfen von John Brauer), oder die großen, leeren Bilderrahmen, die an den Wänden lehnen wie zufällig abgestellt. Immer wieder dient das Schloss als Fotolocation, für „Elle Decoration“ ebenso wie für die „Vogue“ oder „Marie Claire“ und Kataloge von Möbelfirmen wie Roche-Bobois. Die Stylisten hinterlassen ihre Spuren, und bereichern das Ambiente. Eine leuchtend blaue Wand verdankt Akkad etwa Tricia Guild von der britischen Interiorfirma Designer’s Guild.

Walid Akkad selbst sieht aus wie ein Landlord im Cordjackett, das Hemd ordentlich unter dem Pullover, die dunklen Haare zurückgekämmt. Er lächelt immer etwas fragend, wie stetig erstaunt.

 

Cinderella

Posted on: März 23rd, 2012 by admin 1 Comment

Auf einmal war sie da: Eine unscheinbare Stute, gekauft füreinen Spottpreis, wird sie das schnellste Pferd der Welt. Danedream lässt Träume wahr werden, die niemand zu träumenwagte. Über den Aufstieg eines Aschenputtels.

von Karen Bofinger / Fotos Frank Sorge

Das Wunder dauert zwanzig Sekunden. Paris, 16. Arrondissement, Bois de Boulogne, der erste Sonntag im Oktober 2011, nachmittags. 50000 Menschen jubeln, eine Frau heult vor Glück, ein Mann schreit seinen Triumph hinaus, die Fernsehkameras zeigen sie in Großaufnahme. Eine kleine Stute hat eben ihre Welt verändert, jene des Jockeys, der Pflegerin, des Pferdesports: 300 Meter vor dem Ziel setzte sie zum Endspurt an, die letzten 20 Sekunden im wichtigsten Galopprennen der Welt, dem Prix de l’Arc de triomphe. Sie gewann, mit fünf Längen Abstand, in der schnellsten Zeit die dort jemals gelaufen wurde. Dabei wollte sie zuerst keiner haben.

Sechzehn Monate vor dem Rennen, Breeze-up-Sales in Iffezheim. Hier werden zweijährige Pferde verkauft, die noch keine Rennen gelaufen sind. Danedream trägt die Katalognummer 119, ihr Fell ist braun. Sie hat zwei weiße Flecken am Kopf, einen auf der Stirn, einen zwischen den Nüstern, Stern und Schnippe. Sie sieht ein bisschen ordinär aus, heißt es unter den Profis, klein ist sie. Das Auffälligste an ihr ist ihre Unauffälligkeit.

Welche Kraft in ihrem großen Hinterteil sitzt, ahnt niemand. Auch kaufen will sie keiner, ihre Züchter vom Brümmershof in Niedersachsen nehmen sie selbst zurück. Erst im Nachhinein geht die kleine Stute für 9000 Euro an die Familie Volz vom badischen Gestüt Burg Eberstein. Nur eine Handvoll Pferde besitzt die Familie, das ist nicht ihr Hauptberuf. Heiko Volz und sein Vater Helmut sind Möbelhändler in Achern, rund 20 Kilometer von Iffezheim entfernt. Bei Möbel Rivo gibt es Musterring-Küchen und Stressless-Bequemsessel, auf 8000 Quadratmetern im Gewerbegebiet. „Wir haben nur ein Pferd gesucht, das Spaß macht“, das wird Heiko Volz noch oft erzählen. Und dass sie es eigentlich nur regionale Rennen laufen lassen wollten. Im Training bei dem bekannten Kölner Trainer Peter Schiergen, da dackelte Danedream ohnehin immer nur hinterher. 9000 Euro: Ein Spottpreis für ein Pferd, das bis zum Ende des folgenden Jahres rund drei Millionen Euro Preisgeld erkämpft haben wird, eine Rendite ohnegleichen.

Danedream ist ein englisches Vollblut und über die Ahnentafeln dieser Pferde wissen die Besitzer oft besser Bescheid als über ihre eigene. Alle gehen auf nur drei Hengste aus dem frühen 18. Jahrhundert zurück: Byerley Turk, Darley Arabian und Godolphin Barb; ein Turkmene, ein Araber und ein Berber, die einst mit englischen Stuten gekreuzt wurden. Damals wurde das British Stud Book angelegt, in dem alle Thouroughbreads verzeichnet werden, bis heute. Auf riesigen Ahnentafeln stehen die Namen der drei Hengste in der Mitte, umgeben von hunderten, tausenden Nachkommen in konzentrischen Kreisen, und irgendwo ganz außen steht Danedream. Geboren wurde sie im Mai 2008. Durch Zufall war ein Fotograf anwesend, es hätte ein Zeichen sein können. Doch niemand erwartete Großes.

tweed run

Posted on: März 23rd, 2012 by admin No Comments

Den Stil zurück ins Fahrradfahren bringen. Zurück in die Zeit als die Welt, zumindest von der modischen Seite her betrachtet, noch in Ordnung war. Weg von multifunktionalen Stretch-Radlerhosen, die viel zu oft Dinge enthüllen, die Mann oder Frau lieber nicht sehen würden. Im Jahr 2009 wurde in London die Veranstaltung Tweed Run ins Leben gerufen. Die hauptstädtische Fahrradtour, ein Gruppenevent mit einzigartigem Stil, findet seither jährlich statt und tut auch noch Gutes dabei – nicht nur fürs Auge!

von Anna Weber Fotos von Joe McGorty und Oleg Skrinda

Einmal im Jahr treffen sich Traditionsliebhaber, um gemeinsam eine Ausfahrt durch das Zentrum von London zu machen. Der Geist eines vergangenen Zeitalters soll so wiederhergestellt werden. Die Teilnehmer werden gebeten, in klassisch britischer Fahrrad-Kleidung zu erscheinen. Das sind vor allem Knickerbocker-Anzüge aus Tweed, was den Namen des Spektakels erklärt. Bezüglich des Fortbewegungsmittels gibt es eigentlich keine Einschränkungen – solange es ein Fahrrad ist, aber die Teilnehmer werden selbstverständlich ermutigt, mit zweirädrigen Oldtimern anzutreten, um das Bild noch ein wenig kompletter zu machen.

Der weltweit erste Tweed Run fand im Januar 2009 in London statt, organisiert von London Fixed Gear und Single Speed, einem Online Fahrrad Forum. Beim zweiten Tweed Run im April 2010 zählte die Veranstaltung bereits 400 registrierte Teilnehmer. Seitdem hat sich die Idee fast viral verbreitet. Tweed-Ausfahrten gibt es mittlerweile in mehreren amerikanischen Bundesstaaten – ganz nach dem Vorbild des europäischen kleinen Bruders. Auch in Athen, Helsinki, Paris, Pescara oder Florence in Italien, Riga, Sydney, Tokyo und Berlin gab es bereits ähnliche Veranstaltungen.

Die erste Ausfahrt in London vor drei Jahren hatte eine Länge von etwa 36 Kilometern und startete am Hanover Square mit einer Fahrt durch die berühmte Schneider-Strasse Savile Row, führte von da einmal um den Regent’s Park herum, durch den Hyde Park und am Green Park vorbei, an der Themse entlang über Shoreditch, South Hackney, einmal um den Victoria Park und endete am Working Men’s Club in Bethnal Green. Gestoppt wurde unter anderem bei dem traditionellen Gentlemen’s Barber Geo F. Trumper in der Jermyn Street, wo der Preis für den besten Oberlippenbart vergeben wurde. Die eleganteste Dame – die ‚Most Dashing Dame’ – und der schneidigste Bursche – der ‚Most Dapper Chap’ – wurden bei der Bank of England gekürt. Selbstverständlich gab es auch einen Preis für das beneidenswerteste Vintage Fahrrad und zum Abschluss einen ‚oh so british’ Gin and Tonic – oder zwei. Die Startgebühren wurden für einen wohltätigen Zweck gespendet. Die Organisation bikes4africa restauriert Fahrräder und verschifft sie nach Afrika, wo sie an Sekundarschulkinder mit langen Schulwegen verteilt werden.

Der Antrieb der Tweed Runner ist wohl Nostalgie. Und vermutlich der Wunsch, die Welt ein bisschen schöner zu machen. Ende letzten Jahres ist Rugby Ralph Lauren als Partner und Sponsor eingestiegen. Die amerikanische Mode Ikone, die schon immer ein Faible für Britisch Heritage hatte, promotete damit den im August 2011 eröffneten ersten europäischen Store seiner Rugby Linie. Treffpunkt der Tweed Run Teilnehmer war der Londoner Flagship-Store in Covent Garden. Um das Erlebnis Tweed Run mehr als nur ein stylisch gekleidetes ‚In-die-Pedale-treten’ werden zu lassen, wurden spezielle Aktivitäten und Stopps auf der Route angeboten. Es gab einen klassischen Tee Break in den Anlagen der Royal Avenue in Chelsea und auf einer exklusive Soiree am Ende der Tour hatten die Teilnehmer die Chance, sich unter Gleichgesinnten noch ein Gläschen zu gönnen. Ganz im Sinne der Liga der außergewöhnlichen Gentlemen – ‚Don’t drink and drive’! Und da das Thema Wettstreit für die Engländer auch kein Fremdwort ist, wurden selbstverständlich auch diesmal Preise für herausstechende Outfits verliehen.

Scott Campbell

Posted on: März 23rd, 2012 by admin No Comments

Scott Campbell, ein ungewöhnlicher junger Künstler aus New York, steht plötzlich vor mir, in der sehr bekannten Gallerie Gmurzynska in Zürich. Er begrüßt mich herzlich, als wären wir bereits alte Freunde. Ich bin überrascht. Was habe ich erwartet? Bei so viel internationalem Erfolg, vielleicht mehr Arroganz, mehr Eigeninszenierung, mehr Personenkult.

Scott Campbell ist anders, freundlich und entspannt spricht er frei über sich, seine innere Triebfeder und natürlich über seine Kunst. Sehr schnell habe auch ich das Gefühl, dass wir bereits gute Freunde sind, zumal wir unsere gemeinsame Affinität zu Schwarzpulver entdecken. Ich bräuchte Stunden, um das komplette Persönlichkeitsspektrum eines Scott Campbell erschließen zu können.

Da ist zum einen der einfache Junge aus einem kleinen Fischerdorf in Louisiana, der seine Mutter sehr verehrt und trotzdem schon als Jugendlicher seine Grenzen ausprobiert. Schon früh spricht der Rebell aus ihm, den es reizt etwas Verbotenes zu tun.

„Das fing schon mit meinem Musikgeschmack an“ so Scott lachend “Heavy Metal war meine Musik, wohl aber in erster Linie als Instrument der Auflehnung gedacht.“ Schnell entdeckt er auch seine Liebe zu Tattoos und wird Star der Szene, die ihn heute noch prägt und die quasi zu seiner Heimat geworden ist. Karriere ist ihm eigentlich egal, spannender ist der Prozess. Seine bekanntesten Werke, Tiefenreliefs aus nicht zirkulierender US Währung, haben Vieles, was ihn ausmacht: einen radikalen Ansatz und einen Schaffensprozess der an ein Sakrileg grenzt.

„Doch eigentlich ist das unverständlich. Niemand würde sich aufregen, wenn ich eine teure Leinwand benutze…“ Scott liebt genau diese Momente des Aufrüttelns und Hinterfragens. „Für mich ist der Schaffensprozess wichtiger als das Resultat. Jedoch ist das Kunstwerk notwendig, um die Energie des Moments zu dokumentieren. Der Moment der Grenzüberschreitung, that‘s it.“

Valentino – Ein Mann sieht rot

Posted on: März 23rd, 2012 by admin No Comments

Wenn ein Mann 200000 Dollar für den Tempel der Venus spendet auf dem Forum Romanum, dann wird er wohl die Frauen lieben…

von Harald Nicolas Stazol

…und wär täte es mehr als Valentino Garavani, besser bekannt als Valentino, der Mann, der Frauen glücklich macht: „Ich weiss, was sie wollen“, sagt er dann, ob im Sommer, auf seiner Yacht, oder in Rom, wo man ihn gerade erreicht, im Palazzo Mignanelle, nahe an der spanischen Treppe. Für diesen Mann mit dem immerbraunen Teint, ein Mann der seinem halben Dutzend Möpsen die Zähne eigenhändig putzt, für diesen Mann könnte der Superlativ erfunden sein. „Ja, aber warum ausgerechnet Rot“, frage ich ihn. Damit ist er berühmt geworden, nein eigentlich schon vorher, im Jahr von Dolce Vita, jenem 1960, er kommt gerade aus Paris nach Rom und will seinen ersten Salon eröffnen. „Rot?“, sagt er, „rot, nun es ist die perfekte Farbe. Stark, vital mit Persönlichkeit. Seit ich mich zurückgezogen habe, benutzt jeder Designer die Farbe sehr viel mehr.“ Über 45 Jahre beherrschte er den roten Teppich wie kein anderer, Hollywood betet ihn an, was ihm zupass kommt: „Man muss vor mir auf den Knien liegen“ Und ja, er sei Perfektionist: „Einen Blick von 360 Grad auf jedes Detail – das ist manchmal sehr schwierig.“ Man hat ihn gesehen in „Ein Teufel trägt Prada“ – wenn er so spricht, gestikuliert er mit seiner Rechten. „Ich habe nie geglaubt, dass es soetwas wie das schwache Geschlecht gibt.“ Nun für ihn, Valentino, waren Frauen mächtiger, als alle Göttinnen des Olymp zusammen. Wo anfangen? Bei Jackie Kennedy, die für seine erste Schau in New York, im September 1964, im Waldorf-Astoria, nun, sie konnte nicht kommen, sechs Haute-Couture-Kleider kaufte. Valentino hatte ihr eine Auswahl samt Model und Sales Representative nach Hause geschickt. So geschickt war er immer. Er machte in langen Abendroben, als alle nur Mini wollten, und die Frauen liebten ihn dafür. Allein die Kampagnen waren stets atemberaubend. Ich erzähle ihm, dass ich sie ausschnitt und auf meine Schul-Ordner klebte. Ob Eleganz ewig sei. „Nein. Persönlichkeit. Eleganz und Style kann man erlernen und wieder vergessen.“ Die Antwort ist kaum zu glauben. Ach ja, Jackie bestellt die Roben, schwarz und weiss, nach dem Tod ihres Mannes. Aber sie hat sich vorher erkundigt, bei Gloria Schiff, der Zwillingsschwster von Consuelo Crespi, der Vogue-Korrespondentin in Rom. Schiff trägt einen Zweiteiler aus Organza in Schwarz und Weiss. Der fällt Mrs. Kennedy auf. Zu ihrer Hochzeit mit dem griechischen Reeder Aristoteles Onassis, dem Schiffs-Magnaten, kleidet er sie in das teuerste Brautkleid der Welt. Valentino blickt auf seinen Blackberry. Er ging immer mit der Zeit.

Niemand hat den Glamour mehr definiert als er, sage ich. Ob es ihn überhaupt noch gäbe, heute? „Natürlich, aber es ist jetzt ein anderes Spiel. Glamour liegt mehr in der Macht einer Frau als in ihrem Look oder Style. Ich mag Frauen mit Macht. Angelina Jolie war für mich glamorös, machtvoll, über allen Regeln, unabhängig, bis sie auf dieses Kleid verfiel und ihr Bein, um auf eine andere Weise glamorös zu sein.“ Seine Haare sitzen übrigens, wie immer perfekt.
Er hat fast eigenhändig die Standards des Jet Sets neu definiert. Ob auf seiner 46-Meter-Yacht, „T.M. Blue One“, die er und sein Lebensgefährte und Geschäftsführer, Giancarlo Giametti, gerne im Sommer nutzen. Eine Crew von 11 Personen kümmert sich dann um die beiden. Das größte Stadthaus in Holland Park, London, nennt er seine eigen. Ein Apartment in Manhattan, mit Blick auf den Central Park, am Frick Museum. Chateau de Wideville, zu schweigen von ihm, 30 Kilometer vor Paris. Etwa um 1600 erbaut, wohnte vor Valentino dort Claude de Bullion, der Finanzminister Ludwigs XIII., der dort allerhöchstselbst, am 22. Januar 1634 nächtigte. Madame de Valliere, eine Mätresse Ludwigs XIV. lebte dort – ihr Schlafzimmer, ein Spiegelsaal mit einer Deckenhöhe von 9,1 Metern, hat Valention in ein Badezimmer umbauen lassen. Und hätte er die Mätresse gekannt, er hätte sie sicherlich eingekleidet.

Wen eigentlich nicht? Elizabeth Taylor wird bei den Dreharbeiten zu Cleopatra auf ihn aufmerksam. Lady Diana trug ihn, Julia Roberts ließ die Oscar-Verleihung erstrahlen in Rot, als sein 45jähriges Jubiläum feiert, liest sich die Gästeliste wie Who-is-who und Gotha zusammen. Die Kronprinzessin von Griechenland, Marie-Chantal ist ebenso da wie Prinzessin Rosario von Bulgarien und Prinzessin Caroline von Monaco, ah, und Prinzessin Firyal von Jordanien. Ich bezweifele, dass es auf der Welt irgendjemanden gibt, der an einem Abend vier Prinzessinnen begrüssen kann. Und eine Ex-Kaiserin. Farah Diba, die Frau des letzten Schahs von Persien gibt sich neben Elton John die Ehre – auch Karl Lagerfeld ist da. „Verglichen mit ihm machen wir alle nur Lumpen“ sagt er und flattert mit dem Fächer davon. Uma Thurman entgegen, ach, da sitzt Joan Collins, Sienna Miller ist da und Michael Caine. Und wer singt da? Annie Lennox, ach so, klar. Für Valentino.

 

 

Land in Sicht

Posted on: März 23rd, 2012 by admin No Comments

Die patagonische Wildnis ist einzigartig in ihrer Schönheit. Raue Küstenlandschaften und tiefgrüne Urwälder sind der Lebensraum für seltene Arten, wie dem tapsigen Ameisenbär, dem anmutigen Puma – oder dem uneigennützigen Multimillionär. Zu letzteren Spezies gehört Douglas Tompkins, einst Gründer der Modemarke Esprit, heute Aussteiger und Aktivist. Der 69-Jährige hat viel zu tun. Er will nicht weniger als die Welt retten.

von Petra Dietz / Fotos von Robin Hammond

An einem unzugänglichen Fjord in Chiles Süden, am Fuße des Vulkans  Michinmahuida, lebt Douglas Tompkins. Sein Zuhause ist schlicht, ohne großen Komfort. Strom ist Luxus, den gibt es nur ein paar Stunden am Tag. Wer den Umweltaktivisten besuchen möchte, muss per Boot oder Kleinflugzeug anreisen. Der fast siebzigjährige Selfmade-Millionär kämpft gegen den Kapitalismus und für die Natur. Engagiert, uneigennützig und mit der Verbissenheit eines Terriers nutzt er sein Vermögen, um Gutes zu tun. Tompkins gibt sein Bestes, hat viel erreicht und stößt doch immer wieder an persönliche, aber auch politische Grenzen. Anfang der Neunziger gründete er gemeinsam mit seiner zweiten Ehefrau Kristine McDivitt seine erste Umwelt-Stiftung, viele weitere sollten noch folgen, und kaufte in Chile und Argentinien Land auf, um ihm, wie Tompkins es nennt, „eine Auszeit zu gönnen“. Bis heute ist da einiges zusammen kommen: etwa eine Millionen Hektar. Herzstück der mittlerweile mehr als ein Dutzend von ihm gegründeten Schutzgebiete ist der „Parque Pumalin“, ein einzigartiges Areal, das sich auf etwa 300 000 Hektar vom Ozean bis in die Anden erstreckt. Der Park wurde 2005 von der chilenischen Regierung zum „santuario de la naturaleza“ ernannt, was ihm in puncto Umweltschutz oberste Priorität gewährt.

Was verschlägt einen steinreichen Manager ans andere Ende der Welt? Die Antwort darauf, ist eine Geschichte, die sich zu erzählen lohnt:  Douglas Tompkins wuchs  mit einer Innenarchitektin als Mutter und einem Kunsthändler als Vater in dem beschaulichen Städtchen Millbrook im nordamerikanischen Bundesstaat New York auf. Den Karriereplänen seiner Eltern machte er einen Strich durch die Rechnung, als er mit siebzehn von der Schule abging und sich ein schönes Leben machte. Es konnte ja keiner ahnen, dass der Junge einmal Multimillionär werden würde. Skifahren, Klettern, Kajakfahren, das war sein Ding. Tompkins war ein Top-Sportler, um ein Haar verpasste er sogar die Aufnahme in das Olympiateam der US-Skifahrer. Pech im Sport, Glück in der Liebe: Auf  einer Bergtour traf er Susie, verliebte sich und heiratete sie. Das junge Paar ließ sich in Kalifornien nieder, ein wahres Paradies für den sportbegeisterten Douglas, der hier schnell lernte, dass man von seiner Passion leben kann –  wenn man es richtig anstellt. Er gründete 1963 die Kletterschule „California Climbing Guide Service“. Ein paar Jahre später folgte eine Ausrüstungsfirma, für die sich Tompkins erst mal 5000 Dollar leihen musste. Das Outdoor-Label nannte er  „The North Face“. Tompkins verkaufte das erfolgreiche Unternehmen 1970 bereits wieder, machte ordentlich Profit und gründete gemeinsam mit seiner Frau Susie eine neue Firma namens „Plain Jane”, die später in „Esprit de Corps“, kurz „Esprit“ umbenannt wurde. So wurde aus einer Vision ein Weltkonzern und aus einem Freizeit-Sportler ein Multimillionär.

Die Geschäfte liefen gut, die Ehe nicht. 1990 machte Douglas Tompkins reinen Tisch, ließ sich von seiner Frau Susie scheiden, verkaufte das Textil-Imperium und widmete sich von da an der Umwelt – aber nicht alleine.  Der Ex- Modemagnat heiratete wieder. Seine Auserwählte, Kristine McDivitt, ist seine Seelenverwandte. Die beiden Naturliebhaber ticken gleich, auf jeder Ebene. Nicht nur, dass auch Kristine McDivitt begeistert Berge besteigt und Skipisten hinunter jagt, sie war auch Geschäftsführerin eines bekannten Outdoor-Ausrüsters mit dem treffenden Namen „Patagonia“. Und weil Liebende alles gemeinsam machen, verkaufte sie 2000 ihre Geschäftsanteile und widmete sich von da an gemeinsam mit Ehemann Douglas dem Schutz der Natur. Dass es das Paar dazu nach Patagonien verschlug, war eher Zufall. Zur Rettung der letzten Naturparadiese gründete Douglas Tompkins 1992 die Stiftung „Conservation Land Trust“. Doch was sollte gerettet werden? Keine leichte Entscheidung, auch nicht für einen Top-Manager. Tompkins flog mit seiner Cessna mögliche Anwärter ab, zog Kanada und Alaska in die engere Auswahl. Wie bereits bekannt, verloren die nordamerikanischen Naturschönheiten. Ein Fleckchen Erde am Ende der Welt machte das Rennen. Als Freunde Tompkins nach Patagonien einluden, wusste der Multimillionär, was zu tun war. Es war Liebe auf den ersten Blick. Dichte Regenwälder mit menschenhohem, tiefgrünem Farn, Zypressen, deren knorrigen Wurzeln sich bereits vor dreitausend Jahren in den Waldboden gruben, schneebedeckte Berge und die rauen Küstenlandschaften gingen ihm nicht mehr aus dem Sinn. So fing alles an. Douglas Tompkins kaufte eine Ranch mit 17000 Hektar Land und richtete sich in einem ärmlichen Farmhaus ein. Kein Strom, kein Telefon, dafür aber jede Menge Visionen.

Nach und nach kaufte Tompkins immer mehr Land auf, vor allem in Chile, aber auch in Argentinien. Heute ist er weltweit der größte Privatgrundbesitzer. Dass er das Land nicht für sich will, können nur wenige verstehen. Einige halten den Kerl mit dem wettergegerbten Gesicht und den weißen Haaren einfach nur für „loco“. Andere sehen in ihm jemanden, der Arbeitsplätze schafft, alleine im Pumalin Park etwa 150. Doch leider macht sich der reiche Amerikaner auch Feinde. Politiker werfen ihm vor, er würde die Wirtschaft in Chile blockieren. Statt Wälder für Unternehmen zu roden, werden diese unter seiner Leitung gehegt und gepflegt. Rinderzüchter, Holzkonzernbesitzer und Lachsfarmer gehören sicher nicht zu seinen Fans. Abstruse Verschwörungstheorien machen immer mal wieder die Runde. So wird unter anderem behauptet, Tompkins sei von der CIA und wolle sich in Chile Süßwasservorräte sichern. Die Kirche kritisiert, dass er sich für Geburtenkontrolle einsetzt, und einige Einheimische fühlen sich bedroht, weil ein Gringo so viel von ihrem Land besitzt.

Düsen Fieber

Posted on: Februar 6th, 2012 by admin No Comments

Düsentriebwerke haben Flugzeugen Geschwindigkeit, Reichweite und Effizienz verliehen. Die Entwicklung des propellerlosen Antriebs war ein rasantes Kopf-an-Kopf-Rennen zweier Forscher, die, ohne voneinander zu wissen, das Reisen für immer verändern sollten.

von Norman Kietzmann Foto: Pratt & Whitney

Wer schnell sein will, der muss sich auch beeilen – ein Grundsatz, der bei weitem nicht nur im Sport, sondern ebenso auf dem Gebiet der Technik gilt. Zeitgleich und ohne voneinander zu wissen, revolutionierten zwei junge Forscher in den dreißiger Jahren das Fliegen. Anstelle eines Propellers, der wie beim Auto mit einem Kolbenmotor in Bewegung versetzt wird, hatten beide etwas Schnelleres im Sinn: Ein Strahltriebwerk, das Luft von vorne ansaugt, verdichtet, zur Zündung bringt und mit hoher Geschwindigkeit durch eine Düse schießt.

Das Ergebnis: Schub von bisher unbekanntem Ausmaß, der Flugzeuge schneller machen würde als der Schall.
Wie viele gute Ideen entstand auch das erste Düsentriebwerk in einer Garage.

Als Hans Joachim Pabst von Ohain, Physik- Doktorand an der Universität Göttingen, 1933 die Idee eines Triebwerks ohne Propeller entwickelte, war er 22 Jahre alt. In einer Werkstatt, in der er seinen Sportwagen regelmäßig zur Inspektion brachte, lernte er den Automechaniker Max Hahn kennen und überzeugte ihn von seinem Vorhaben. Für rund 1000 Reichsmark – seinerzeit ein kleines Vermögen – baute Hahn 1935 das erste Modell des Triebwerks, das von Ohain sogleich in den Räumen der Universität zu testen begann.

Vor allem der Treibstoff bereitete anfangs große Probleme. Anstatt wie vorgesehen in der inneren Druckkammer gezündet zu werden, wurde er mit der Luft nach außen geschleudert.

Gewaltige Flammen schossen aus der Turbine heraus und machten die Tests zu einem wahren Höllenritt für alle Beteiligten. Dennoch erkannte Robert Wichard Pohl, Leiter des Physikalischen Instituts der Universität Göttingen, das Potenzial der Erfindung, die von Ohain 1936 zum Patent anmeldete.

Er verfasste ein Empfehlungsschreiben an den Industriellen Ernst Heinkel, der sich trotz der Unzulänglichkeiten des ersten Modells überzeugen ließ. Wenige Wochen später begannen Hans von Ohain und Max Hahn in den Heinkel-Flugzeugwerken nahe Rostock, ihr Triebwerk weiter zu verfeinern, während ein eigens auf den Düsenbetrieb zugeschnittenes Flugzeug entwickelt wurde. Als die Maschine – angetrieben vom Triebwerk „Heinkel He S3“ – am 27. August 1939 startete, konnte der inzwischen 28-Jährige nicht nur die Tauglichkeit seiner Erfindung unter Beweis stellen. Der Testflug markiert zugleich den Einstieg ins Jet-Zeitalter, das die militärische und ebenso die zivile Luftfahrt verändern sollte.

Dennoch konnte Hans von Ohain den Titel des Düsentrieb-Erfinders nicht für sich allein beanspruchen. Fünf Jahre vor ihm, 1928, hatte der Pilot Frank Whittle in der Zeitung der Royal-Air-Force-Fliegerschule von Cranwall einen Artikel veröffentlicht, in dem er die Idee eines Strahltriebwerks formulierte. Auch er meldete um 1930 mehrere Patente an, wenngleich sich anfangs niemand für seinen Vorschlag interessierte. Erst 1935, nachdem zwei ehemalige Air-Force-Offiziere ihm finanzielle Unterstützung zugesichert hatten, nahm er…

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